04.10.2022: Petra - die Schöne aus Stein

Und ein nächstes der neuen sieben Weltwunder.

Die Nabatäer - ein semitischer Nomadenstamm - tauchen 312 v. Chr. zum ersten Mal nachweisbar aus dem Dunkel der Geschichte auf und werden 328 n. Chr. zum letzten Mal erwähnt. Woher sie kamen, darüber gibt es nur Spekulationen, ihr Einmarsch in die Geschichte erfolgte wie ein Paukenschlag. Der Historiker Diodorus berichtet, dass 312 v. Chr. ein griechisches Heer von 4.600 Mann gegen die Nabatäer anrückte. Es wurde aber so fürchterlich geschlagen, dass nur 60 Soldaten zurückkehrten.
Zu jener Zeit lebten die Nabatäer noch eher beduinisch, allerdings auch schon von der Kontrolle der Weihrauchstraße und der Asphaltgewinnung aus dem Toten Meer. Sie hatten Petra als ihre Hauptstadt auserkoren, nicht zuletzt, weil sie zwischen Felsenschluchten fast uneinnehmbar geschützt war, durch die nicht versiegende Quelle Ain Musa inmitten wüstenhafter Landschaft über ausreichend Wasser verfügte und zudem günstig in Bezug auf die Handelswege lag. Um die Zeitenwende wurden die Nabatäer als fest siedelndes, sehr wohlhabendes Volk geschildert, das inzwischen auch Landwirtschaft betrieb. In Petra lebten zu jener Zeit etwa 2.000 Menschen.
Nach dem Tod von Rabel II. blühte Petra als römische Provinzstadt noch weiter, doch Palmyra (heute Syrien) gewann zunehmend Einfluss. Schon während der islamischen Eroberung im 7. Jahrhundert war Petra nur noch dünn besiedelt, bald verschwand es aus dem Geschichtsbewusstsein. Erst der Schweizer Forscher Johann Ludwig Burckhardt, der als Muslim verkleidet auf dem Weg nach Aleppo nach Schwarzafrika war, hörte von der geheimnisvollen Stadt und ließ sich unter dem Vorwand, am Grab Arons beten zu wollen, von Beduinen nach Petra führen - 1812 riss er die Stadt aus ihrem langen Dornröschenschlaf.

Das Erlebnis Petra besteht aus bizarrer Landschaftskulisse und einer Felsarchitektur, bei der, mit unglaublicher Fleißarbeit der nabatäischen Steinmetze, wunderschöne Fassaden geschaffen wurden. Die Innenräume dagegen weisen nur wenige Besonderheiten auf, meist sind sie nahezu leer. Aber auch das Stadtzentrum, hauptsächlich eine römische Schöpfung aus Steinarchitektur, ist sehr sehenswert.

Insgesamt gibt es etwa 1.000 Gräber bzw. historische Stätten oder insgesamt 3.000 in den Felsen gehauene Räume zu sehen.









Der Ausflug ins antike Petra beginnt hinter dem visitor center, am Ba es Siq. Nach wenigen hundert Metern stehen rechts bereits drei Block- oder Turmgräber, aus dem Fels gehauene Würfel, in deren Dach vermutlich Tote bestattet wurden. Die Einheimischen nennen sie Djin Blocks, weil sie den Erzählungen nach von (bösen) Geistern geschaffen wurden.





Gegenüber sind unten das sog. Barock-Triklinium und darüber das Obeliskengrab in den Fels gehauen.



Der Eingang zum Siq ist mit einem Damm gegen Überschwemmung gesichert, den bereits die Nabatäer als Schutz angelegt hatten. Er wurde 1964 erneuert, nachdem 23 Touristen im April 1963 nach einem Wolkenbruch im urplötzlich anschwellenden Bach Musa innerhalb des Siq mitgerissen wurden und ertranken. Weitere Schutzmaßnahmen wurden Ende der 1990er-Jahre gebaut.





Im Siq spaziert man zwischen diesen uralten mächtigen Felswänden hindurch, die beidseitig fast senkrecht emporragen und manchmal gefährlich nahe kommen.
Der 1.216 Meter lange Siq ist an der engsten Stelle nur 2,19 Meter breit, an der weitesten Stelle 16 Meter. Seine Felswände ragen nahezu senkrecht bis zu 100 Meter gen Himmel.
Auf der linken Felswand wird man von einem Wasserkanal „begleitet“, später ein zweiter auf der rechten Seite mit stellenweise noch vorhandenen Tonröhren bzw. Rinnen. Den heute offenen Kanal hatten die Nabatäer abgedeckt, um die Wasserverdunstung zu verringern.



























Nach etwa 20 Minuten öffnet sich von einer Sekunde auf die andere ein Felsspalt. Geblendet von der Lichtfülle und der Schönheit der gegenüberliegenden, beeindruckendsten Fassade Petras hält man staunend inne.





Khazne Faraun, das Schatzhaus des Pharao, das meisterhaft, sowohl von der handwerklichen Seite als auch von seinen Proportionen her, in den rosa-roten Fels gearbeitet wurde. Den Namen erhielt es von Beduinen, die an einen pharaonischen Schatz glaubten und vergeblich versuchten, ihn zu heben.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit entstand die Khazne um die Zeitenwende, nicht zuletzt, weil Stileinflüsse auf ägyptische und hellenistische Elemente weisen.
Nachdem vor einigen Jahren Ausgrabungen jordanischer Archäologen vor dem Schatzhaus eine 13 Meter tiefe Treppe, Gräber und Opferplätze für Weihrauch freilegten, gehen jüngere Interpretationen davon aus, dass die Anlage wohl zunächst als Grab und später als Tempel benutzt wurde.









Ein paar Menschen waren auch dort. 🙈



Bei der Khazne beginnt der äußere Siq, auch als Straße der Fassaden bekannt, mit Zinnen- und Treppenfassaden sowie Gräbern.



















Nächstes Highlight: Das große, in den roten Fels gehauene römische Theater mit halbkreisförmiger Orchestra. Ursprünglich von den Nabatäern erbaut, wurde es offenbar von den Römern umgestaltet, aber bereits 363 n. Chr. von einem Erdbeben ziemlich stark zerstört. Ihm mussten ältere Gräber weichen, wie man an den Löchern im Fels, oberhalb der letzten Reihe sieht. Insgesamt fanden 7.000 bis 8.500 Zuschauer auf den Sitzreihen Platz.



Kurze Verschnaufpause bei einem 
Granatapfelsaft.



Weiter im Wadi Musa.







Auch hier gibt es einen Cardo Maximus, eine typisch römische Kolonnadenstraße. Der Weiterweg auf dem Cardo, dessen Pflaster zum Teil noch im Original erhalten ist, führt an Säulenresten und jeder Menge Bauschutt vorbei. Kaum mehr als 1% von Petra wurde bisher archäologisch freigelegt. Der Cardo führt ins Zentrum, das in wesentlichen Teilen von den Römern, nach der Eingliederung Petras in die Provinz Arabia, gestaltet wurde. Neuere Theorien besagen, dass zumindest höher gelegene Abschnitte von den Nabatäern errichtet oder begonnen worden waren.





Die amerikanische Brown University machte sich um den Großen Tempel verdient, u.a. stellte sie erklärende Tafeln auf, so dass man ein besseres Verständnis für die wichtigen Bauteile findet.
Es handelte sich um eines der ganz großen, dominanten Gebäude im Zentrum Petras, denn es erreichte eine Höhe von mindestens 18 Meter und nahm eine Fläche von etwa 7.000 qm ein. Vom Stil her wird angenommen, dass der Tempel gegen Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. von den Nabatäern nach römischem Vorbild gebaut wurde.





















Das Temenos-Tor ist noch relativ gut erhalten. 



Am Ende der Via Sacra ragen die imposanten Ruinen des Qasr el Bint Faraun auf, des Haupttempels von Petra, der im 1. Jahrhundert n. Chr. von Obodas III errichtet und dem Hauptgott Dhushara geweiht worden war. Er ist das besterhaltene, freistehende nabatäische Bauwerk, denn alle anderen wurden in den Fels oder aus ihm heraus gebaut. Qasr el Bint beeindruckt schon allein durch seine Höhe von 23 Meter, also etwa neun Stockwerken.









Mittagspause.





Auf dem Rückweg hat man nochmal eine ganz andere Perspektive.
Auch der veränderte Sonnenstand lässt alles im wahrsten Sinne des Wortes in einem anderen Licht erscheinen.





Die Königswand ist das Ziel.





Vorher aber noch ein kurzer Stopp an einer byzantinischen Kirche mit sehr sehenswerten Bodenmosaiken.
1993 wurden in einem kleinen Nebenraum der Kirche 152 Papyrusrollen entdeckt, die das Feuer überstanden hatten. Sie waren zwar verkohlt, konnten aber im American Center of Oriental Research von einem internationalen Team aufgerollt und gelesen werden. Die bisher lesbaren Dokumente behandeln tägliche Angelegenheiten in den Jahren 528 bis 582, wie Landverkäufe, Erbschaftsverträge, Darlehen, etc. Für die Forschung bedeuten sie einen ganz wichtigen Mosaikstein, stellen sie doch die ältesten und einzigen Dokumente dieser Art in Jordanien dar.









Eine kleine Stärkung bevor es nun endlich zur Königswand geht. 





Die Felswand des El-Khubtha-Massivs wird Königswand genannt, weil hier imposante Mausoleen von 13 nabatäischen Königen und das eines römischen Statthalters in den Fels gemeißelt wurden. Viele Grabgiebel weisen Stufenzinnen auf, die sehr wahrscheinlich auf assyrischen Einfluss in Petra zurückgehen.









Das erste Mausoleum ist von Sextius Florentinus, er verwaltete als Statthalter von Kaiser Hadrian die Provinz Arabia. Wie eine lateinische Inschrift unter dem Bogentympanon besagt, stiftete sein Sohn Lucius um 130 n. Chr. das Grab.





Als nächstes folgt das Palastgrab, das einem römischen Palast ähnlich sieht und das letztgebaute Grab sein könnte. Seine eigentliche Bestimmung bleibt noch zu enträtseln.





Das Seiden- oder Bunte Grab ist bereits sehr stark verwittert. 



Beim Urnengrab führen Treppen auf rekonstruierten mehrgeschossigen Substruktionen auf einen weiten Vorplatz mit seitlichen Säulengängen.



















Schön staubig, so gefällt es mir. 🥰







Nun hieß es: laufen, laufen, laufen.






Wieder vorbei am Schatzhaus, dieses Mal im Schatten.





Bei über 30 Grad war das schon eine anstrengende Tour.
Aber geschafft. 👍🏻

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