30.09.2022: Römerstadt Gerasa
Zwar ging es heute erst um 10:00 Uhr los, das Programm war aber nicht weniger intensiv.
Eine gute Stunde ging es auf der Schnellstraße - 60 km/h Höchstgeschwindigkeit - nach Gerasa (modern: Jerash).
Auf den Straßen hier fahren Mercedes, Porsche und von Volkswagen fast nur E-Autos. Es gibt auch Geschwindigkeitsmessungen und - auf der Schnellstraße! - Erhöhungen, bei denen man ordentlich abbremsen muss.
Carrefour gibt es hier. Überall am Straßenrand sind kleine Obststände, gefüllt mit Orangen, Granatapfel und Feigen. 🤤
Aber schaut mal selbst:
Jordanien ist ein sehr wasserarmes Land, deswegen werden so viele Flüsse wie möglich gestaut.
Da in der Gegend hier (800-900 Höhenmeter) relativ viel Wasser vorkommt, ist es entsprechend grün. Viele Oliven und eben Granatapfelbäume.
Seht ihr den Esel ganz oben? 🥹
So, nun zum eigentlichen Tagesziel.
Gerasa (heute: Jerash) ist eine wohlsituierte römische Provinzstadt und gleichbedeutend mit einer der Hauptsehenswürdigkeiten in Jordanien. Aus touristischer Sicht folgt es Petra auf Platz zwei der Sehenswürdigkeiten. Gerasas historischer Teil ist in einem Zustand erhalten, der die Erwartungen übertrifft: Man braucht nicht viel Fantasie, um sich das Leben in dieser Stadt vor 2.000 Jahren vorzustellen.
Bevor es auf das Gelände ging, wurde ich mit einer Zeittafel ausgestattet. 🤓
Gleich hinterm Eingang geht es los mit dem dreiteiligem Hadrianstor - 129-130 n. Chr. „zur Erinnerung an den Besuch des Kaisers errichtet“, wie eine Inschrift an der Nordseite besagt - erreichte einst die stattliche Höhe von 21,5 Meter (fast neun heutige Stockwerke) und nahm für seine drei Tore eine Breite von 25 Meter ein. Der mittlere Bogen öffnet sich mit 6 Meter Breite und 11 Meter Höhe, die beiden kleineren seitlichen sind gute 5 Meter hoch. Die Anlage wurde erst kürzlich aus den herumliegenden Trümmern wieder komplett zusammengesetzt.
Zwar ist stets die Rede vom Triumphbogen für Hadrian, tatsächlich ist das Bauwerk zumindest auch als Stadttor konzipiert worden, denn die baulichen Anschlüsse für die Stadtmauer wurden nur verblendet. Vermutlich war geplant, die Stadt bis zu diesem Tor nach Süden zu erweitern, wozu es aber nie kam.
80-90% der Stadt sind nicht mal ausgegraben. Und auch so gibt es noch genügend zum „puzzlen“.
Auf dem Weiterweg folgt das Hippodrom, in dessen Areal ein paar Sitzreihen erhalten blieben. Die 245 Meter lange Pferderennbahn bot immerhin 15.000 Zuschauern Platz, für römische Verhältnisse eine eher kleine Anlage. Es ist davon auszugehen, dass es nicht nur Pferderennen gab, sondern tatsächlich auch Gladiatorenkämpfe. Bis vor Corona wurden hier Gladiatoren- und Wagenrennen vorgeführt.
Laut Reiseleiter haftet heute noch das Blut der Gladiatoren auf dem Sand.
So, wer dachte, dass es damit schon getan war, irrte sich. Das war erst der Anfang. Und seht ihr die Säulen ganz hinten? Da ging es hin. 🥵
Die eigentliche Besichtigung beginnt mit dem ebenfalls unter Hadrian erbauten und ebenfalls imposanten Südtor. Es ist dem Hadrianstor bis hin auf kleine Details ähnlich, wenn auch nicht ganz so monumental wie das offensichtliche Vorbild. Es wird daher angenommen, dass es die Spende Hadrians an die Stadt war, die ihm einen solch aufwendigen Triumphbogen errichtet hatte.
Das Südtor war eines von insgesamt vier Toren in der 3,5 Kilometer langen Stadtmauer, die im 1. Jahrhundert n. Chr. errichtet wurde. Die Mauer war bis zu 2,5 Meter breit und wurde auf ihrem Weg um die Stadt von einer Vielzahl quadratischer Türme zusätzlich verstärkt.
Weiter zum ovalen Forum, eines der Highlights von Gerasa. Noch immer ist es mit den Original-Steinplatten gepflastert und von 56 ionischen Säulen begrenzt - ein beeindruckender Anblick. Die Säulen tragen Namensinschriften, die den edlen Spender bis in die heutige Zeit festhalten. Dieser Platz ruht auf einem Sockel, der mit 6-8 Meter Höhe eine Senke des Geländes ausgleichen musste. Der Aufwand, den die Planer in das Forum steckten, diente nicht zuletzt der Anpassung zweier Achsen, denn der auf hellenistische Ursprünge zurückgehende Zeustempel (später mehr) trifft schräg auf die Achse des Cardo Maximus (später auch mehr). Mit der durchdachten Form des Forums gleichen sich beide Ausrichtungen unmerklich an.
Das Forum mündet in den Cardo Maximus, die 700 Meter lange Kolonnade zum Nordtor, mit ebenso noch erhaltenem Original-Straßenpflaster. Noch heute kann man die Spuren der vielen tausend Wagenräder erkennen, die sich in das Pflaster eingraviert haben. Unter dem Pflaster liegen die (noch erhaltenen) Abwasserkanäle.
Die Säulen auf der linken Straßenseite sind unterschiedlich hoch und passten sich den dort stehenden Gebäuden in der Höhe an. Man kann sich vorstellen, welch reges Leben auf dieser von 260 zumeist korinthischen Säulen flankierten Straße herrschte.
Links der Kolonnaden wurde das Macellum, der römische Lebensmittelmarkt, ausgegraben. Eine Markthalle hilft der Vorstellung. Es zählt zu einem der besten Beispiele innerhalb des Römischen Reichs. Den Mittelpunkt des Marktes bildet ein noch gut erhaltenes Oktogon, in dem sich ein Brunnen befand. Kammern an den Seiten des Hofes beherbergten Händler und Geldwechsler. Einige löwenförmige Stützen für die Tische der Händler sind noch erhalten.
Hier wurde eine Art „Brettspiel“ gespielt (sind so Löcher im Stein).
Weiter auf dem Cardo Maximus zur wichtigsten antiken Straßenkreuzung.
Es folgt das Nymphaeum, der imposante Stadtbrunnenbau. Das prächtig geschmückte, zweigeschossige Gebäude wurde 191 n. Chr. errichtet. Das Erdgeschoss war marmorverkleidet, das Obergeschoss mit bemaltem Stuck verziert.
Weitere Eindrücke:
Als nächstes das imposanteste Bauwerk der Stadt, der Artemis-Tempel. Der Tempel „beginnt“ mit einer Vorhalle an der Cardo Maximus, der eigentliche Tempel steht einige Stockwerke höher und weiter im Hintergrund: Der Gläubige hatte einen Weg der Sammlung über sieben Treppenfluchten zu gehen, um in den Tempel zu gelangen. Um das Bauwerk so richtig auf sich wirken zu lassen, wird einem der durchaus mühsame Treppenaufstieg zum Tempel empfohlen.
Oben angekommen betritt man mit der letzten Stufe den Artemis-Tempel. Zwar ist dieser heute ein Allerweltsplatz, ursprünglich war er jedoch von Säulengängen umgeben, die fast schon einem Säulenwald gleichkamen.
Der Artemis-Tempel selbst steht auf einem 4 Meter hohen, 23 Meter breiten und 40 Meter langen Podium. Von den einst 32 Tempelsäulen ragen noch elf an ihrem ursprünglichen Platz auf.
Das ist mitunter ein Grund, warum die Stadt bisher kein UNESCO-Welterbe ist:
Es wurde schlichtweg unzureichend wieder zusammengesetzt.
Ein Abstecher zur St.-Cosmas-St.-Damian-Kirche, deren Stifter Zwillingsbrüder waren. Die Bodenmosaike sind sehenswert; das Stifterpaar hat sich verewigen lassen, neben diversen Tieren, wie Schafen und Gazellen. Die Kirche ist direkt an die St.-Johannes- und die St.-Georg-Kirche angebaut, so dass das Ensemble allgemein als Dreifachkirche bezeichnet wird.
Auf dem Weg zum Südtheater:
Das Südtheater ist in den Berg gebettet bzw. von Tonnengewölben abgestützt. Der im 1. Jahrhundert n. Chr. erbaute Komplex wurde wahrscheinlich durch das katastrophale Erdbeben 747 zerstört und ab 1925 restauriert. Er ist, wie die meisten römischen Theater, nach Norden ausgerichtet, damit die Zuschauer nicht von der Sonne geblendet werden. Die Anlage bietet etwas 4.000 Besuchern auf 32 Sitzreihen Platz.
Fehlt noch der Zeus-Tempel.
Vom ovalen Forum aus gesehen:
Wenn man dachte, dass das Forum Romanum in Rom groß ist..
Zwischendurch gab es Mittagessen, wieder sehr lecker, und Granatapfelsaft. 🤤
Anbei noch ein paar Eindrücke:
Unterwegs:
Das Abendessen im Hotel war auch wieder so lecker.
Sieht auf dem Teller vielleicht nicht super ansprechend aus, aber geschmacklich.. 🤤
So, ab ins Bett.
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